Der Garten aus Algen

Ankerlos schaukelte das Motorboot auf der See.

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Am Heck stand ein Junge, dessen Hand in seiner weißen Badehose steckte. Sein Blick war auf die Wellen gerichtet. Er leckte sich die Lippen, auf die der Wind sogleich wieder Salz setzte. Der Name des Jungen war Damian. Er war allein auf dem Boot, doch das Boot schaukelte nicht allein auf der See. Von den anderen Booten, schmale und breite, flache und hohe Segler und Yachten, sprangen andere Menschen, junge und alte, dünne und dicke Männer und Frauen, in die Wellen. Lachend und kreischend beugten und streckten sie Beine und Arme. Das Klatschen war unmöglich zu ignorieren. Eine Möglichkeit, es nicht mehr zu hören, war selbst zu springen.

Endlich zog Damian seine Hand aus der Badehose. Er beugte seine Beine, streckte seine Arme, schloss seine Augen und stieß sich ab. Erst drangen seine Hände in die See ein, dann umschloss sie seinen Kopf, füllte seine Nase mit Salz und seine Ohren mit Rauschen und klatschte gegen seine Brust und Beine. Er glitt hinab in ihre Tiefen, bis seine Hände etwas Weiches, Glitschiges berührten. Es streifte entlang an seinen Armen, umwickelte seine Beine und fesselte seine Füße. Je stärker er strampelte, desto enger wurde die Umschlingung; also gab er sich ihr hin. Als er zu Ruhe kam, lockerte sie sich wieder und er öffnete die Augen.

Er war Gast in einem Garten aus Algen, umtanzt von grünen, braunen und roten Halmen, hypnotisiert von ihrem Schwingen. Sie bewegten sich hin und wieder her, schwerelos, harmonisch, durch die Lichtstrahlen im Tiefblau, unter den Silhouetten der Boote. Andere Gäste waren in dem Garten, versteckt zwischen den Algen, vereinigt in ihrem Schatten. „Komm“, riefen sie, die Männer und Frauen, die jungen und alten, dünnen und dicken. Damian folgte ihren Rufen durch den Garten, zwischen die Algen, hinein in den Schatten.

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Am Heck stand ein erwachsener Mann, dessen Hand in seiner weißen Badehose steckte. Sein Blick war auf die Wellen gerichtet. Er leckte sich die Lippen, auf die der Wind sogleich wieder Salz setzte. Das Klatschen der anderen Menschen war unmöglich zu ignorieren. Eine Möglichkeit, es nicht mehr zu hören, war selbst zu springen. Doch der Sprung blieb eine Möglichkeit, und der Garten aus Algen blieb eine Welt der Spekulation.

Als er den Ruf einer Möwe hörte, wirbelte der Mann herum und warf sich hinter das Steuer. Das Boot rauschte vorbei an den Seglern und Yachten und folgte der Möwe bis hinter den Horizont.

1 Kommentar zu „Der Garten aus Algen“

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